Weihnachtsbräuche in Deutschland

Deutschlands Weihnachtsbräuche

Weihnachten – das Wort allein genügt schon, um in jedem von uns Bilder von liebevoll geschmückten Weihnachtsbäumen, buntem, knisterndem Geschenkpapier und köstlich duftendem Essen in gemütlicher Atmosphäre hervorzurufen. Während wir aus unserem persönlichen Umfeld unterschiedlichste Traditionen kennen und pflegen, z.B. die berühmte Bockwurst mit Kartoffelsalat, gibt es auch alte Bräuche, die historisch begründet sind und deutschlandweit praktiziert werden. Wir werfen einen Blick darauf, und zwar in chronologischer Reihenfolge:

Advent, Nikolaustag und Co.

Alles beginnt mit der Adventszeit, einer ursprünglichen Fastenzeit. Sie umfasst, festgelegt von Papst Gregor dem Großen, die vier Sonntage bis zum Weihnachtsfest. Der Adventskalender mit 24 Türchen wird herausgekramt oder gebastelt und hat seinen ursprünglichen Nutzen dabei seit dem 19. Jahrhundert nicht verloren, nämlich, die verbleibenden Tage bis zum Beginn des Weihnachtsfestes am 25. Dezember zu visualisieren. Inhalt des Kalenders waren ursprünglich bunte Bilder, oft mit sakralen Motiven. Heutzutage ist er häufig gefüllt mit SüAdventskranzßem – von Fastenzeit kann also längst nicht mehr die Rede sein. Einst war der Adventskalender lutherisches Brauchtum, welches sich allerdings auch in der katholischen Religion und sogar international durchsetzte.
An jedem Adventssonntag wird auf dem Adventskranz eine Kerze angezündet. Dieses kleine Gedicht kennt bestimmt jedes Kind:

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst 1, dann 2, dann 3, dann 4, dann steht Weihnachten vor der Tür“

 

In die Adventszeit fällt mit dem 6. Dezember der Nikolaustag, der dem Nikolaus von Myra (in der heutigen Türkei) gewidmet wird, einem Geistlichen, der sein Hab und Gut auf die Armen verteilte. Zahlreiche Legenden ranken sich um den Heiligen. Der deutsche Brauch, am Vorabend des Nikolaustages einen Stiefel vor die Tür zu stellen und ihn am nächsten Morgen mit Süßigkeiten, verschiedenen Arten von Nüssen, Äpfeln und Clementinen gefüllt aufzufinden, geht auf eine Erzählung zurück. Ihr zufolge traf der Nikolaus von Myra nachts auf drei Jungfrauen und beschenkte sie.

Teils deutlich vor der Adventszeit beginnen vielerorts Weihnachtsmärkte, die ebenso zum deutschen Weihnachtsbrauchtum gehören. Die Basis der Märkte war ursprünglich weit weniger kommerziell als heute und liegt im Mittelalter: Sie dienten dazu, sich für die kalte Jahreszeit auszurüsten. Erst im 14. Jahrhundert nahm Spielzeug und anderes Handwerk Platz auf den Verkaufsständen ein.

Zwischen Antike und Exotik

Absolutes must have in der Weihnachtszeit: Der Weihnachtsbaum! Der Ritus, einen immergrünen Baum aufzustellen, geht bis in die Antike zurück und war wie ein Appell an die Götter zu verstehen, endlich den Frühling zu bringen. In unserer Gesellschaft ist der Weihnachtsbaum in der Hauptsache ein Dekorationselement. Egal, ob Nordmanntanne, Rot- oder Blaufichte, die Bäume gehören vielerorts bereits ab Mitte der Adventszeit in die Wohnzimmer der Deutschen, wo sie bunt geschmückt und beleuchtet häufig bis zum Dreikönigstag im neues Jahr stehen bleiben. Früher zierten echtes Obst, rot Gehäkeltes und Strohengel die Zweige der Nadelhölzer, heute bekommen oftmals neonfarbige Kugeln und blinkende Lichterketten den Vortritt.

Weihnachtsbaum

Kommen wir nun zum Heiligen Abend und damit zum exotischsten aller deutschen Weihnachtsbräuche. Wir Deutschen sind weltweit die einzigen, die bereits am 24. Dezember ihre Weihnachtsgeschenke austauschen. Die Grundlage dieses Brauches ist wiederum das Brauchtum, am Abend des 24. Dezembers in die Kirche zu gehen, die sogenannte Christmette. Und auch in dieser Christmette wird höchster Wert auf kirchliche Bräuche gelegt: die Verlesung der Weihnachtsgeschichte, häufig in Kombination mit einem Krippenspiel . Und, das überrascht sicherlich niemanden mehr, auch das ist deutsches Weihnachtsbrauchtum.